
CSU-OV
Lichtenhof
Das Zeppelinfeld erhielt seinen Namen durch
die erste Landung eines Luftschiffes (Z 3) in Nürnberg am 27.
August 1909. Im darauf folgenden Jahr wurde dieses -- ehemals
sumpfige -- Wald- und Wiesengebiet zur Anlage von Parkanlagen
sowie eines Volksfestplatzes erschlossen. Nach dem Ersten
Weltkrieg begann man -- unter der Leitung des damaligen
Oberbürgermeisters Dr. LUPPE -- das gesamte Gebiet zwischen dem
Luitpoldhain, dem Alten Tiergarten und dem Zeppelinfeld zu einem
"Volkspark" auszubauen. Dieses Freizeitgelände sollte
neben Wanderwegen, Liegewiesen und einer Kleingartenanlage auch
das Stadionbad, mehrere kleine Sportanlagen sowie das Große
Nürnberger Fußballstadion einschließen. Im Bereich der
heutigen Zeppelinarena entstand bereits 1929 eine
"Turnwiese" mit fünf Meter hohen Wällen für ca.
80.000 Zuschauer, welche ab 1933 nahtlos für die politischen
Veranstaltungen der NSDAP übernommen wurde.
Zwischen 1934 und 1937 wurde am Zeppelinfeld unter der Leitung von Albert SPEER ein riesiges Aufmarschgelände für die Großveranstaltungen der Reichsparteitage fertiggestellt. Im Osten dieses etwa 400 x 400 Meter großen Platzes entstand die mächtige, das ganze Feld beherrschende Haupttribüne; die Tribüne wurde als Backsteinbau errichtet und an den Außenseiten mit Kalkplatten ("Werkkalke" des fränkischen Malm beta) verkleidet.
Die 390 Meter lange und 25 Meter
hohe Tribünenanlage besteht aus einem Mittelbau mit dem
"Goldenen Saal" im Inneren; von diesen führen zwei
große Treppenanlagen zu der an der Westseite gelegenen
Rednerkanzel. Flankiert wird der Mittelbau an beiden Seiten von
großen Treppenanlagen, welche durch große Säulenhallen nach
oben abgeschlossen waren. Zwei große Steinkörper mit
Feuerschalen begrenzten die Zeppelintribüne an ihrem Nord- und
Südende. Die gesamte Tribünenanlage wurde von Albert SPEER in
Anlehnung an den antiken Pergamonaltar gestaltet und sollte den
pseudoreligiösen Charakter der Anlage unterstreichen. 
Nach Westen schließt sich an die Tribüne zunächst eine Aufmarschstraße und dann das eigentliche Zeppelinfeld an: Diese rund 100.000 m² große Fläche wird an drei Seiten eingerahmt durch 6,5 Meter hohe Wälle mit Standstufen, welche durch 28 kleine Türme symetrisch unterteilt werden.
Im Jahre 1937 wurden die Zeppelinfeld und die Tribüne entgültig fertiggestellt. Um das Areal wurden nahezu 40000 Eichen gepflanzt, um den blendend-visuellen Effekt des gigantomanen weißen Gebäudes etwas abzumildern. Der etwas trockene Nürnberger Volksmund taufte im Anschluß hieran das Zeppelinfeld in "Weisse Würstchen-Wiese" um, vermutlich wegen der Vielzahl weißer Fahnenstangen auf dem Areal.
Während der Reichsparteitage konnte die Zeppelintribüne etwa 70.000 Personen und das Zeppelinfeld rund 250.000 Menschen aufnehmen.
Während der Reichsparteitage wurde das Zeppelinfeld sorgfältig illuminiert. Für alle Dekorationen der Reichsparteitags-Gebäude war Albert Speer verantwortlich. Ab 1936 wurde aufgrund einer Idee von SPEER begonnen, die Abendveranstaltungen der Parteitage durch den Einsatz einer Vielzahl leistungsfähiger Scheinwerfer drastisch zu unterstreichen.
Hierzu forderte SPEER aus Wehrmachtsbeständen insgesamt 130 Flugabwehr- ("Flak"-) Scheinwerfer an. Da dies dem grössten Teil der damaligen deutschen strategischen Reserve entsprach, gab es massive Einsprüche der deutschen Luftwaffenführung. Dieser Einwand wurde jedoch mit dem Argument verworfen, daß, "wenn die Reichsführung die Flak-Scheinwerfer in einer so großen Anzahl für eine derartige Sache benutzt, das Ausland denken muß, daß Deutschland in Flak-Scheinwerfer schwimme".
Die Flak-Scheinwerfer wurden in Abständen von zwölf Metern rings um das Zeppelinfeld plaziert und senkrecht nach oben ausgerichtet, um vertikal in den Himmel zu strahlen. Die Strahlweite der Scheinwerfer erreichte eine Höhe von über 6000 Meter. Hierdurch ergab sich der bekannte Effekt des "Lichterdomes", dessen Widerschein z.B. bis nach Frankfurt/Main und Prag zu beobachten war.
Der Energieverbrauch für diese Beleuchtung betrug etwa 40.000 Kilowattstunden pro Abend. Zur Deckung eines derart großen Strombedarfs wurde nordöstlich der Zeppelintribüne (an der Kreuzung der heutigen Regensburger Straße/ Hans-Kalb-Straße) ein neoklassizistisches Steingebäude errichtet, in dem die großen Transformatoren für die Elektrizitätsversorgung des gesamten Reichsparteitagsgelände untergebracht waren.
Die
Filmaufnahmen von der Sprengung des großen vergoldeten
Hakenkreuzes auf dem Mittelbau der Zeppelintribüne -- nach der
Eroberung Nürnberg´s durch die amerikanischen Truppen --
symbolisieren bis heute den Untergang der nationalsozialistischen
Diktatur. In den Nachkriegsjahren fand eine bewußt
pragmatisch-profanisierte Nutzung der Zeppelintribüne statt: Das
Areal wird beispielsweise für das
"Norisring"-Autorennen und als Open-Air-Gelände für
Rockkonzerte genutzt. Die Säulenhallen der Zeppelintribüne
wurde in den Sechziger Jahren gesprengt, die flankierenden
Steinkörper in den Achtziger Jahren größtenteils abgetragen.
Seit 1985 wird -- während der Sommermonate -- im "Goldenen Saal" der Zeppelintribüne die Ausstellung "Faszination und Gewalt" gezeigt: Etwa 30.000 Besucher pro Jahr informieren sich hier über das "Steinerne Erbe der nationalsozialistischen Diktatur" im Südosten von Nürnberg.
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* Dr. A. Baier; last update: Freitag, 14. September 2001 23:40