Karte LuitpoldarenaCSU-OV Lichtenhof

Der Luitpoldhain


Der Namen des Luitpoldhaines geht zurück auf eines der größten Feste, die Nürnberg während der Kaiserzeit feierte: Hier fand (unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Prinzregenten Luitpold) im Jahre 1906 die Bayerische Landesausstellung statt. Dem späteren Nürnberger Oberbürgermeister Dr. SCHUH war es gelungen, aus Anlaß der 100-jährigen Zugehörigkeit Nürnberg´s zum Königreich Bayern die Dritte Bayerische Landesausstellung in die alte Reichsstadt zu holen. Dr. SCHUH konnte den Prinzregenten Luitpold dadurch für das Projekt gewinnen, indem er diesen versprach, daß das künftige Ausstellungsgelände später den Namen "Luitpoldhain" tragen sollte; in Anerkennung seiner außergewöhnlichen Leistungen wurde er später zum "Ritter von SCHUH" geadelt und erhielt den Titel eines Oberbürgermeisters.

Auf dem -- bislang mit Kiefernwäldchen und Heideflächen bestandenen -- etwa 600.000 m² großen Ausstellungsgelände zwischen der Wodanstraße und dem Dutzendteich wurden Restaurants und Hallen errichtet, in denen u.a. bayerische Gewerbeprodukte und künstlerische Erzeugnisse gezeigt wurden. Das Gelände erschloß man mit Spazierwegen und auch Springbrunnen wurden eingerichtet. Weiterhin wurde am Westnordwestrand des Großen Dutzendteiches der (1938 abgerissene) Leuchtturm gebaut. Die Resonanz auf die am 12. Mai 1906 eröffnete Bayerische Landesausstellung war für die damalige Zeit sehr groß: Während der etwa sechsmonatigen Ausstellungsdauer besuchten rund 2,5 Mio. Personen dieses "Königlich-Bayerische EXPO-Gelände".

Das Gefallenendenkmal im Jahre 2000 Luftwaffendenkmal im Jahre 2001

Zur Zeit der Weimarer Republik ließ die Stadt Nürnberg von 1928 - 1930 unter dem damaligen Oberbürgermeister Dr. LUPPE an der Ostseite des Luitpoldhaines eine Ehrenhalle für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erbauen. Östlich an die Ehrenhalle anschließend wurde weiterhin ein Denkmal für die Toten der Fliegertruppe des Ersten Weltkrieges errichtet.

Reichsparteitagsrede in der LuitpoldhalleWährend des "Dritten Reiches" wurde im Luitpoldhain zwischen 1933 und 1937 die Luitpoldarena gebaut. Ausgangspunkt hierfür war die -- noch aus der Zeit der Bayerischen Landesausstellung stammende -- sog. Maschinenhalle am Westsüdwestrand des Luitpoldhaines (heute Autoparkplatz an der Bayernstraße). In diesem, im "Dritten Reich" zwischen 1933 und 1935 zur "Luitpoldhalle" umgebauten, großen Veranstaltungsraum fanden 1927 und 1929 die ersten Parteitage der NSDAP in Nürnberg statt. Dies bedingte wiederum den späteren Entschluß der Führung des "Dritten Reiches", aus dem altehrwürdigen Nürnberg als Stadt der kaiserlichen Reichstage die "Stadt der Reichsparteitage" zu machen.

"Alte Kongreßhalle" 1936 Sprengung der "Alten Kongreßhalle"

Während der, ab 1933 in Nürnberg alljährlich im September stattfindenden Reichsparteitage diente die Luitpoldarena als erstes Aufmarschgelände für die Formationen der NSDAP. Im westsüdwestlichen Zentralpunkt des nahezu rechteckigen, für etwa 150.000 Menschen konzipierten Platzes lag die rechteckige "Rednerkanzel"; dahinter waren die Ehrentribünen und die dreistufigen Terrassen für die Standarten errichtet worden; im Norden und Süden wurden die Tribünen durch zwei Türme abgeschlossen.

Modell der Luitpoldarena

Kanzel, Tribünen und Terrassen waren bewußt auf das gegenüberliegende Gefallenendenkmal ausgerichtet worden: So führte von der Rednerkanzel eine 250 m lange und 20 m breite Straße zu dem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Im Anschluß an die Parteireden und -vorführungen fanden hier in nahezu kultischen Aufführungen die Totenehrungen und Fahnenweihen statt.

Reichsparteitag in der Luitpoldarena

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt Nürnberg bestrebt, das nationalsozialistische Erbe im Luitpoldhain zu tilgen. Die im Weltkrieg von Fliegerbomben getroffene "Alte Kongreßhalle" wurde gesprengt und hierauf der bereits oben erwähnte Autoparkplatz angelegt. Die aus Granitquadern und -platten gebauten Tribünen, Terrassen und die Rednerkanzel wurden teilweise abgetragen, größtenteils jedoch mit Erdreich überdeckt und hierauf eine teilweise mit Baumgruppen bestandene Parkanlage errichtet, die heute ein beliebtes Naherholungsgebiet darstellt. Am Nordostrand entstand schließlich Anfang der Sechziger Jahre die "Meistersingerhalle" mit aufnahmefähigen Parkmöglichkeiten sowie später ein quadratischer Hotelbau.

Luitpoldarena um 1938 "Luitpoldarena" heute

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* Dr. A. Baier; last update: Freitag, 04. Mai 2001 22:19