
CSU-OV
LichtenhofDie Kongreßhalle stellt das umfangreichste Bauwerk der Neuzeit in Nürnberg dar. Die ersten Pläne für eine "Stadthalle" am Nürnberger Dutzendteich gingen bereits auf das Jahr 1928 zurück. Die ab 1935 gebaute Kongreßhalle wurde schon 1933 von den Architekten Ludwig RUFF und Franz RUFF entworfen und erinnert in ihrer Fassadengestaltung an das antike Collossem in Rom. Die Bauakten für dieses riesige Gebäude gingen jedoch bei Kriegsende verloren, so daß sich die folgenden Angaben u.a. auf mündliche Mitteilungen (zit. n. SPÖCKER 1964 bzw. n. JOACHIMSTHALER 1985) von Ingenieuren, die an der Errichtung der Kongreßhalle mitwirkten, stützen.
Die Kongreßhalle sollte bei den geplanten Nachkriegs-Parteikongressen Platz für rund 60.000 Menschen bieten. Im Hauptsaal waren 40.000 Sitzplätze geplant; dieser Saal sollte hufeisenförmig umgeben werden von Tribünen, welche wiederum von einem 400 Meter langen Säulenumgang mit 88 Pfeilern umschlossen worden wären. Im Osten wird der hufeisenförmige Rundbau abgeschlossen von zwei Kopfbauten mit kleinen Innenhof und einer Eingangshalle. Als Dach für die Kongreßhalle war eine riesige, freitragende Stahlkonstruktion (mit einer max. Spannweite von 170 Metern) geplant, für die allein 24.000 to Stahl benötigt wurden.
Die Bauarbeiten an der Kongreßhalle begannen mit der Grundsteinlegung während des Reichsparteitages 1935. Die Baugründung erforderte bei den gigantomanen Ausmaßen des hufeisenförmigen Gebäudes (mit einer Länge von 272 m, einer maximalen Tiefe von 265 m und einer Grundfläche von etwa 72.000 m²) aufgrund des sehr heterogenen geologischen Untergrundes besondere Maßnahmen. Dies liegt darin begründet, daß im Bereich der Kongreßhalle die Oberfläche der Keupersandsteine von Nordosten (im Bereich des Dutzendteiches) nach Südwesten einfällt. Über dieser Keuperoberfläche liegen in stark wechselnder Mächtigkeit quartäre Sande, Tone und Lehme, wobei die Festigkeit dieser Lockersedimente für die Tragkraft eines derart großen Bauwerkes völlig ungeeignet war.
Aufgrund
dieser schwierigen Baugrundverhältnisse wurde eine
Pfahlgründung erforderlich: Hierzu wurden zunächst verrohrte
Bohrungen mit einem Durchmesser von 50 cm bis in die anstehende
Keupersandstein-Oberfläche abgeteuft. Nach dem Aufsitzen der
Bohrrohre auf dem festen Keupersandstein wurde Basaltschotter
zusammen mit Traß als Feinstkorn trocken eingebracht und
verdichtet; die Basaltschotter wurden wegen des -- im Nürnberger
Raum -- bekanntermaßen betonaggressiven Grundwassers verwendet.
Mit der fortschreitenden Basalt- und Traßaufhöhung im Bohrrohr
wurde die Verrohrung in Intervallen gezogen, so daß letztendlich
nur die Säulen aus stark verdichteten Basalt und Traß auf dem
Keupergestein stehen blieben.
Die maximale Tiefe dieser in den quartären Sanden und Tonen abgeteuften sog. FRANKI-Pfähle beträgt im Südwesten der Kongreßhalle etwa 16 Meter. In nordöstlicher Richtung werden die Pfähle kürzer; an der Vorderfront konnte der Kongreßhallenbau unmittelbar auf die anstehende Keuperoberfläche bzw. auf den künstlich verdichteten Boden gegründet werden. Auf die FRANKI-Pfähle wurde dann eine mächtige Betonplatte mit einer Belastbarkeit von 5 kg/cm² bis 8 kg/cm² aufgebracht, auf welcher dann der eigentliche Kongreßhallenbau errichtet wurde.
Der eigentliche Baukörper der Kongreßhalle besteht aus mächtigen, bis fünf Meter dicken Ziegelmauerwerk. Die Fassaden des riesigen Bauwerkes wären im fertigen Zustand völlig mit hellen Granitplatten verkleidet worden, um einen möglichst monumentalen Anblick zu gewährleisten.
Im Jahre 1935 wurden die Baukosten für die Kongreßhalle auf 25 Mio. Reichsmark veranschlagt. Bis zur Einstellung der Bauarbeiten im Jahre 1943 summierten sich jedoch die Gesamtbaukosten für die Kongreßhalle auf 208 Mio. Reichsmark, wobei allein die Kosten für die 46.000 m Granitquader der Fassadenverkleidung ca. 20 Mio. Reichsmark betrugen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
benutzten zunächst die Amerikanischen Truppen die Kongreßhalle
zur Lagerung ihres militärischen Geräts. In den Fünfziger
Jahren erhielt die Stadt Nürnberg ihre kostenlos in den
"Zweckverband Reichsparteitage" eingebrachten
Grundstücke wieder zurück. Hierdurch gelangten sowohl die
unvollendet gebliebene Kongreßhalle als auch die
Zeppelintribüne in den Besitz der Stadt. Allein bis 1955 mußten
für die Kongreßhalle etwa 880.000 DM für zweckbestimmte
Instandsetzungsarbeiten investiert werden. 
Seit 1973 stehen die Gebäude unter Denkmalschutz. Heute sind in dem unvollendet gebliebenen Bauwerk zahlreiche Vereine und städtische Institutionen, ein großes Firmenlager sowie eine Konzertbühne untergebracht. Im nördlichen Kopfbau der Kongreßhalle wurde am 04. November 2001 durch den Bundespräsidenten Johannes Rau, den Oberbügermeister der Stadt Nürnberg Ludwig Scholz sowie durch den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber das "Dokumentationszentrum Reichsparteitage Nürnberg" eröffnet.
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* Dr. A. Baier; last update: Mittwoch, 07. November 2001 19:05