Karte Dutzendteich 1930CSU-OV Lichtenhof

Dutzendteichgelände und "Alter Tiergarten"


Dutzendteich 1594Das Dutzendteichgelände umfasste früher acht Weiher, die durch Dämme und Gehwege voneinander getrennt waren. Der Dutzendteich als Hauptgewässer war bereits um 1330 künstlich angelegt worden. In diesem grundwassernahen, sumpfigen Gelände wurde durch den Bau eines Dammes der Langwasserbach, der Neuselsbrunngraben sowie -- seit seiner künstlichen Umleitung -- ab 1496 der Fischbach zu dem künstlichen Teich aufgestaut. Aus dem alten Wort "doutze" = "Schilfrohr" leitet sich auch der Gewässername ab. Der später erweiterte und in mehrere Becken untergliederte Dutzendteich wurde 1495 von der Reichsstadt Nürnberg erworben und diente -- neben der Karpfenzucht -- vor allem als Wasserrückhaltebecken, um die ganzjährige Wasserführung des durch Nürnberg und durch seine südlichen Vororte fließenden Fischbaches zu gewährleisten.

Bereits seit dem 16. Jahrhundert diente das Dutzendteichgebiet der reichsstädtischen Bevölkerung als Naherholungsgebiet. Im Jahre 1806 fand hier die napoleonische Siegesfeier statt und 1861 das "Deutsche Sängerfest". Ab 1876 wurde am Großen Dutzendteich das erste öffentliche Freibad von Nürnberg betrieben.

Plan des Alten TiergartensEtwa um 1850 kam in Nürnberg der Gedanke auf, einen modernen Tiergarten einzurichten. Die ersten Planungen des damaligen Bürgermeisters VON STROMER sahen einen "Zoologischen Garten" auf dem Gelände des Zeltner-Schlößchens in Gleißhammer vor. Trotz vieler Planungen dauerte es bis zur Beendigung der Bayerischen Landesausstellung im Jahre 1906, bis die Bestrebungen zum Bau eines Nürnberger Tiergartens ernsthaft weiterverfolgt wurden. Von den Gebäuden der Bayerischen Landesausstellung blieb nur die sog. Maschinenhalle stehen: Diese wurde zur "Festhalle" (die spätere "Alte Kongreßhalle") umgebaut.

Im Jahre 1909 wurde an den Stadtmagistrat ein Überlassungsantrag für das künftige Tiergartengebiet gestellt und im Juli 1911 beschlossen. Dieses bislang nur forstwirtschaftlich genutzte Areal erstreckte sich von der Bayernstraße zu den beiden westlichen Nummernweihern und weiter über den Flachweiher bis zum Kleinen Dutzendteich, grenzte im Osten an den Großen Dutzendteich und endete im Nordosten wieder an der Bayernstraße. Zur Anlage des Tiergartens wurden umfangreiche Erdarbeiten durchgeführt: Der sandige Heideboden mußte für die Kräuter- und Gräseranpflanzungen mit Humus angereichert werden. Im Schnittpunkt der vier Nummernweiher wurde ein Rondell angelegt, in den Nummernweihern selbst baute man die Affen- und die Brutinsel sowie das Stelzvogelareal. Weiterhin wurden das Affen- und das Elefantenhaus, die Verwaltungs-, Wirtschafts- und Direktionsgebäute sowie die Raubkatzen- und Bärengehege angelegt. Nördlich der Nummernweiher baute man ein künstliches Gebirge.

Eisbärengehege Schwimmvogelinsel

Am 11. Mai 1912 wurde der Alte Tiergarten feierlich eröffnet; er bestand 27 Jahre lang bis zum 26. Februar 1939. Zur Eröffnung des Tiergartens übergab der Nürnberger Oberbürgermeister als Präsent der Stadt zwei Bronzefiguren, welche später am Haupteingang auf massiven Säulen aufgestellt wurden: Diese beiden Figurengruppen waren durch den bekannten Nürnberger Bildhauer Phillip KITTLER geschaffen und in der Erzgießerei LENZ gegossen worden. Die jeweils nahezu 1 to. schweren Standbilder stellen einen Löwen mit einem Mann bzw. einen Tiger mit einer Frau dar (seit 1946 schmücken die beiden Bronzefiguren den Eingang des "Neuen Tiergartens" am Schmaußenbuck).

Nachdem Nürnberg im Jahre 1933 zur "Stadt der Reichsparteitage" erklärt worden war, beanspruchte die Planung der projektierten Monumentalbauten einen erheblichen Anteil des bisherigen Tiergartengeländes: Beispielsweise verlief die Trassenführung der "Großen Straße" mitten durch dieses Areal. Nach den ersten entsetzten Reaktionen seitens der Stadt Nürnberg begann man jedoch rasch mit den Planungen für eine Verlegung bzw. einen Neubau des Tiergartens an anderer Stelle. Nach der Diskussionen über mögliche Ersatzstandorte (wie dem Stadtpark in Maxfeld) entschied man sich im Februar 1936 für die Neuerrichtung eines hochmodernen Tiergartens in dem landschaftlich äußerst reizvollen Waldgebiet am Schmaußenbuck mit seinen großen, mittelalterlichen Steinbrüchen. Die Bauarbeiten in diesem neuen Areal begannen im Sommer 1937 und wurden Ende 1939 vorläufig beendet. Der "Alte Tiergarten" war im Februar 1939 geschlossen worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden im Dutzendteichgebiet jahrelang -- infolge von Bombentreffern -- nur noch drei Wasserbecken, heute sind nach der erfolgreichen Abdichtung der Weihersohlen wieder fünf Teiche vorhanden (Großer und Kleiner Dutzendteich, Flachweiher, östlicher und westlicher Nummernweiher). Südlich hiervon kam als Relikt der Baumaßnahmen des sog. "Deutschen Stadions" noch der Silbersee hinzu.

An den ehemals am Dutzendteich gelegenen Alten Tiergarten erinnern heute nur noch die beiden kleinen "Nummernweiher" mit den Relikten der Seelöwen- und der Eisbärenanlage sowie der Brutinsel.


weiter zur Page "Das Reichsparteitagsgelände" Weiter zur Page "Das Reichsparteitagsgelände"

* Dr. A. Baier; last update: Freitag, 22. Juni 2001 22:19