Karte Deutsches StadionCSU-OV Lichtenhof

Das Deutsche Stadion


Modell des "Deutschen Stadions" ehem. Baugrube des "Deutschen Stadions" heute

Der heutige Silbersee stellt das letzte sichtbare Relikt der bisher größten Baugrube im Nürnberger Raum dar, nämlich den Ausschachtungen für das geplante "Deutsche Stadion mit seiner riesigen Grundfläche von etwa 350.000 m². Es sollte als "größtes Sportstadion der Welt" 405.000 Zuschauer für die projektierten nationalsozialistischen Kampfspiele aufnehmen; 154 Schnellaufzüge für je 100 Personen sollten die Zuschauer an ihre Plätze transportieren.

Die Grundsteinlegung für die riesige Arena des "Deutschen Stadions" war am 09. Juli 1937; bis zum Parteitag 1945 war die Fertigstellung dieses gewaltigen Bauvorhabens geplant. Diese Sportstätte sollte alle bisherigen Dimensionen sprengen. Das Bauwerk war in Hufeisenform geplant und wäre höher als die Nürnberger Lorenzkirche und um ein Vielfaches größer als das Olympiastadion in Berlin geworden. Der geplante Grundriß und die Fassadengestaltung erinnert an das antike Olympiastadion in Athen.

Grundstein des Deutschen Stadions Nürnberger Nachrichten 28.03.2007

Das -- von Albert SPEER entworfene -- Deutsche Stadion wäre 800 Meter lang, 450 Meter breit und über 100 Meter hoch geworden; der umbaute Raum hätte mit 8,5 Mio. Kubikmetern etwa das Dreifache der Cheopspyramide betragen.

Luftbild der Baugrube Sept. 1944

Ausgehend von dem 380 Meter langen und 150 Meter breiten Spielfeld waren die bis 100 Meter hohen Tribünen, abgestuft in fünf große Ränge, geplant. Die Tribünen sollten an der Außenfassade in einer, in mächtigen Pfeilern aufgelösten Wand eingefasst werden. Für die Außenwände wurden 350.000 m rötliche Granitquader und für die Zuschauertribünen über 400.000 m weißgraue Granitquader bestellt.

Zwischen dem "Deutschen Stadion" und der "Großen Straße" sollte ein 180 x 360 Meter großer, mit Granitplatten gepflasterter und von Säulenhallen umgebener Vorhof erstellt werden. Dieser Vorhof hätte mit einer 150 Meter langen Ehrentribüne, auf welcher eine Säulenhalle geplant war, unmittelbar an die "Große Straße" angeschlossen.

Ehrentribüne an der "Großen Straße"

Bei der Ortschaft Oberklausen im Hirschbachtal östlich von Nürnberg wurde ein Modell der Tribünenränge im Maßstab 1:1 errichtet. Von 1937 bis 1939 waren bis zu 400 Arbeiter damit beschäftigt, an einem Berghang den Wald zu roden, Erdmassen zu bewegen, Fundamente zu gießen und Holzaufbauten zu errichten. Es sollte ein Zehntel des in Nürnberg geplanten "Deutschen Stadions" in Originalgröße entstehen: Dieses umfasste drei Tribünenterrassen mit je fünf Rängen und insgesamt über 42.000 Sitzplätzen. Gedacht war das streng bewachte Modell zum Testen verschiedener Neigungswinkel, der Sichtverhältnisse und als generelles Anschauungsobjekt.

Versuchsmodell des "Deutschen Stadions" im Hirschbachtal

Auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg wurde in der hufeisenförmigen Baugrube des Deutschen Stadions bis zum Beginn des Jahres 1945 eine Grundwasserhaltung betrieben, die mit dem Kriegsende eingestellt wurde. Die riesige Fundamentausschachtung füllte sich in der Folgezeit mit Grundwasser und es entstand der Silbersee als sechste und jüngste Wasserfläche im Dutzendteichgebiet.

Ab 1945 wurde im südöstlichen Teil der Baugrube eine städtische Deponie eingerichtet; bis 1962 kamen hier u.a. erhebliche Mengen von teils kritischen Müll und das Abbruchmaterial der zerstörten Stadt Nürnberg zur Ablagerung. Der Niveauausgleich mit der natürlichen Geländeoberfläche wurde im Jahre 1951 erreicht; ab diesem Zeitpunkt wurde die Hochdeponie des heutigen Silberbucks geschaffen. Durch den Schadstoffeintrag aus der Deponie kam es in der Vergangenheit und kommt es noch heute im Silbersee unter anaeroben Bedingungen zu umfangreichen Abbauprozessen: Vor allem das vom Grundwasser im Deponiekörper ausgewaschene und in den Silbersee verfrachtete Sulfat wird -- unter den sauerstoffarmen Bedingungen im Abstrom der Deponie -- zum toxischen Schwefelwasserstoff umgewandelt. Aufgrund dieser potentiellen Lebensgefährdung ist das Baden im Silbersee gesetzlich verboten.

Warnschilder am Silbersee Silbersee


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* Dr. A. Baier; last update: Mittwoch, 25. Februar 2009 00:43