CSU-OV Lichtenhof "Wie sicher ist unsere Südstadt?"
Veranstaltung am 18. März 2010 im Südpunkt --
eingeladen vom CSU-Ortsverband Nürnberg-Lichtenhof.
Auf Einladung des CSU-OV Nürnberg-Lichtenhof informierte am 18. März 2010 der leitende Polizieidirektor Kurt Benisch im "SüdPunkt" über die Sicherheitslage in der Südstadt. Nach einem allgemeinen Überblick über Organisation, Zuständigkeit und den Streifendienst bei der Polizeiinspektion kam er auch auf die konkrete Situation in der Südstadt zu sprechen.
Die etwas provokative Frage unserer Einladung -- "Wie sicher ist die Südstatdt?" -- konnte unser Gast mit exakten Zahlen beantworten und belegen: "noch nie so sicher wie aktuell"!
Einer Vorstellung der Arbeit und Organisation unserer Polizei anhand von Projektion und kompetenden Kommentaren von Herrn Behnisch und seinem Kollegen Polzeihauptkommissar Funk folgte eine äusserst rege Diskussion. Hier wurden Einzelfälle ebenso angesprochen, wie allgemein interessierende Themen über die Arbeit und Aktivität der Polizei im Zuständigkeitsbereich der Inspektion Süd.
Noch vor Nürnberg-Mitte, -West und -Ost ist es die grösste Inspektion mit dem höchsten Anteil der Nürnberger Bevölkerung von 170.000 Bürgern; dies entspricht also fast "zweimal Fürth" oder "2 x Erlangen". Auch der räumliche Umfang des Stadtgebiets überraschte die Zuhörer, wesentlich mehr, als die meisten von der "Südstadtpolizei" erwarteten. Dass hier dann im Normaldienst nur ca. 4 Streifenwagen ständig "auf Achse sind", nötigte zur Feststellung, dass dies wohl zu wenig verfügbare Einsatzkräfte für das riesige Gebiet sind.
Rund 200 Beamte und 20 Angestellte versehen in der Polizeiinspektion Nürnberg-Süd an der Saarbrücker Straße und der Polizeistation Langwasser ihren Dienst. Eine Besonderheit für die Polizei im Süden Nürnbergs stellt die auffällig hohe Dichte an Veranstaltungsorten dar (Stadion, Messe, Arena, Volksfestplatz, Zeppelingelände), deren zahlreiche Großevents von der Polizei begleitet werden.
Ein internes Problem, mit dem die Ordnungshüter zu kämpfen hat, betrifft die Personalstruktur: Die Inspektion ist personell um ca. 20 % unterbesetzt. Dies hat zur konkreten Folge, dass das rund 80 Quadratkilometer große, von 170.000 Menschen bewohnte Zuständigkeitsgebiet in nur vier von insgesamt sechs Abschnitten durch einen Streifendienst dauerhaft betreut werden kann. Kommt es also zu einer Häufung der Einsätze, muss eine Priorisierung vorgenommen werden, so dass es bei manchem minder dringlichen Einsatz zu Verzögerungen bis zum Eintreffen der Polizei kommt. Zwischen 90 und 110 Einsätze täglich haben die zumeist jungen Beamten im Schichtdienst von der Polizeiinspektion Süd zu bewältigen, wobei der Einsatzschwerpunkt zwischen 17 und 24 Uhr liegt.
Natürlich stehen weitere Kräfte in Reserve bereit, um eben den Stand an Sicherheit, der aktuell erreicht wurde, auch weiterhin zu gewährleisten. Erfreulich war schließlich, daß neben einzelnen Kritikpunkten auch ausdrücklich grosses Lob für die Arbeit unserer Polizei vor Ort gespendet wurde, die Leistung der Beamten wurde ausdrücklich anerkannt.
Doch wie sicher ist die Südstadt, die sich durch ihre urbane Dichte, einen deutlichen Migrantenanteil, kürzere Wohndauer und eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit von anderen Stadtgebieten unterscheidet? Hier konnte Polizeidirektor Benisch mit einigen erfreulichen Nachricht die Zuhörer überraschen: So fiel die Zahl der Straftaten insgesamt im Einsatzgebiet Südstadt von noch 5608 Fällen im Jahr 2006 auf 4670 im Jahr 2009. Dieser Erfolg verdankt sich zum Teil auch der präventiven Arbeit, welche die Polizei leistet. Gerade bei alkoholisierten Menschen kommt es nach dem Ende von Veranstaltungen und dem Verlassen von Gaststätten und Discos zu Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, die bereits durch eine verstärkte Präsenz vor Ort und präventives Einschreiten unterbunden werden können.
Dieser Erfolg zeigt sich auch am Volksfest, wo die Zahl der Delikte innerhalb der letzten Jahre um das vierfache gesenkt werden konnte. Doch den Ordnungshütern sind auch Grenzen gesetzt. So ist es die Kommune und der Stadtrat, die über die Verkehrsführung oder eine Stadionverordnungen entscheiden. Die Polizei selbst ist nur für unaufschiebbare Maßnahmen zuständig. Dass in der Südstadt im Vergleich zum Verkehrsaufkommen zu wenig Parkplätze bereit stehen, räumt auch Kurt Benisch ein. Ein schwacher Trost für denjenigen, die wegen Falschparkens einmal mehr von der Verkehrsüberwachung ein Knöllchen kassieren.
Dass sich das subjektive Sicherheitsempfinden nicht immer mit der objektiven Realität deckt, zeigt sich am Beispiel der U-Bahn. Hier kommt es in Nürnberg eigentlich zu keinen Straftaten. Generell empfiehlt Benisch, im Falle eines Übergriffs möglichst sofort das Umfeld einzubeziehen und konkrete Hilfeleistung einzufordern. In der Frage-Runde wird deutlich, dass Formen nächtlicher Ruhestörung, Falschparker oder Handtaschenräuber für den jeweils Betroffenen ein Ärgernis darstellen, aber eigentlich kein spezifisches Südstadtphänomen bilden. Die Polizei weiß um die Brennpunkte, aber sie mahnt auch zur Besonnenheit. Die Südstadt ist auch in punkto Sicherheit weitaus besser als ihr Ruf.
Herr Behnisch lud dazu ein, in begründeten Einzelfällen selbst bei ihm bzw. Herrn Funk direkt vorstellig zu werden -- nur wo Mißstände als solche erkannt werden, kann ihnen begegnet werden. Das Feld der Aufgaben der zumeist noch sehr jungen Beamten auf Streife ist so umfassend, daß Handlungen nicht auszuschliessen sind, die der Bürger als fehlerhaft bewertet.
Herr Behnisch bat schließlich noch in solchen Fällen, die keine aktuelle Notfallmeldung sind, auf die Rufnummer der Südwache zurück zu greifen, da dadurch für den Bürger ein direkter Kontakt zu der Einteilung der Streifen besteht -- die freilich nach Notwendigkeit gettroffen werden muss. Dies bedeutet im Klartext, eine eine zugeparkte Einfahrt oder eine Ruhestörung hinter Notfällen zurück stehn muss; dies ist bei der Anzahl der verfügbaren Streifenbesatzungen nachvollziehbar.
Insgesamt war es ein sehr interessanter Abend, informativ mit offenem Ohr für die Anliegen der Bürger - die Polizei in einem guten - sicher dem rechten Licht nahe gebracht.
Bei Herrn Behnisch und Herrrn Funk bedanken wir uns dafür!
Die direkte Rufnummer der Inspektion Nürnberg-Süd lautet: (0911) 94 82 114 - hier erreichen Sie die örtliche Einsatzleitung direkt.
Akute Notfälle natürlich unter: 110 für die Polizei und 112 für Feuerwehr und Rettung!
© Texte:
- Kurt Vogt / CSU-OV Nürnberg-Lichtenhof;
- Peter Löw.
© Photos:
- Kurt Vogt / CSU-OV Nürnberg-Lichtenhof.
* Dr. A. Baier, Mittwoch, 31. März 2010 00:24