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"Info-System Reichsparteitagsgelände eröffnet"

Eröffnung des Info-System ReichsparteitagsgeländeMit einem umfassenden Informationssystem auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände bietet die Stadt Nürnberg allen Besuchern des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes seit 22. Mai 2006 die Möglichkeit, sich vor Ort mit den NS-Parteitagen auseinander zu setzen. Das Geländeinformationssystem informiert mit großen Tafeln an 23 Stellen in dem 380 Hektar großen Areal mit Texten (deutsch/englisch), Bildern und Plänen über Geschichte und Bedeutung der alljährlichen Propagandainszenierungen der Nationalsozialisten in Nürnberg. Das Projekt wird rechtzeitig vor der Fußball- Weltmeisterschaft realisiert, bei der das Nürnberger Stadion - mitten in dem historischen Areal gelegen - Schauplatz von fünf WM-Spielen sein wird. Das Info-System kostet rund 417.000 Euro.

Ausgangs- und Endpunkt ist das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Inhalte sind nicht nur die Zeit als „Reichsparteitagsgelände", sondern auch die Geschichte des Geländes zuvor und die heutige Nutzung. Zielgruppe ist der „zufällige" Besucher, sei es der Spaziergänger, der Besucher einer Großveranstaltung oder der Freizeitsportler bzw. Fan. Angesprochen wird auch der historisch interessierte Tourist, der gezielt das Gelände aufsucht. Man geht von jährlich 100.000 solcher „Fach"-Besucher aus, die in Touristenbussen mit fachlich fraglicher Information über das Gelände gefahren werden oder unbegleitet auf eigene Faust kommen. Nur sehr wenige Besucherinnen und Besucher lassen sich von einem ausgebildeten Führer über das Gelände leiten.

Für die Gestaltung der Informationsträger an den 23 Punkten führte die Stadt Nürnberg im vergangenen Jahr einen künstlerischen Realisierungswettbewerb durch. Zu diesem Wettbewerb wurden acht Teilnehmer aus unterschiedlichen Bereichen (bildende Künstler, Architekten, Design-Firmen, Ausstellungsbüros) eingeladen. Am 17. Oktober 2005 wählte eine Jury aus Künstlern, Architekten, Gestaltern, Auftraggebern und Sponsoren einen Entwurf des Ateliers Lipopp aus. Die Köpfe des Ateliers sind die chinesische Architektin Xiaotian Liund der Nürnberger Künstler und Metallbauer Christof Popp. Der Entwurf besteht aus drei Meter hohen und 1,25 Meter breiten Edelstahltafeln, die je nach Fülle der Informationen in ihrer Anzahl zusammensetzbar sind und leicht gekippt zueinander stehen.

Schautafel  "Grosse Strasse und Alter Tiergarten"; Info-System Reichsparteitagsgelände Nürnberg Schautafel  "Grosse Strasse"; Info-System Reichsparteitagsgelände Nürnberg Schautafel  "Alter Tiergarten"; Info-System Reichsparteitagsgelände Nürnberg

Auf den Tafeln finden sich Erklärungen und Hinweise zur Geschichte des jeweiligen Ortes vor 1933, zur Nutzung zwischen 1933 und 1945 und zur Zeit nach dem Krieg. Das ausgewählte System arbeitet sehr stark mit großformatigen Bildern. Und noch etwas Besonderes hat der Entwurf: Besucherinnen und Besucher können an einigen Standorten durch Glasfenster, auf denen die historische Situation beschrieben ist, einen Blick auf die heutige Örtlichkeit werfen. So überlagern sich Geschichte und Gegenwart im Auge des Betrachters.

Schautafel  "Grundstein Deutsches Stadion"; Info-System Reichsparteitagsgelände Nürnberg Schautafel  "Grundstein Deutsches Stadion"; Info-System Reichsparteitagsgelände Nürnberg Schautafel  "Silbersee: Baugrube Deutsches Stadion"; Info-System Reichsparteitagsgelände Nürnberg Schautafel  "Silbersee"; Info-System Reichsparteitagsgelände Nürnberg

Das gab es bisher noch nicht: In einer beispiellosen Sonderförderung durch die Bundesgedenkstättenförderung (162.300 Euro), die DFB-Kulturstiftung (92.600 Euro) und den Kulturfonds des Freistaates Bayern (100.000 Euro) in einer Gesamthöhe von 354.900 Euro schaffen Bund und Land die Einrichtung des Info-Systems Reichsparteitagsgelände. Die Gesamtkosten von 417.200 Euro tragen zu 85 Prozent Fördertöpfe. „Damit zeigen Bund und Land auch, wie wichtig ihnen der aufklärende Umgang mit der deutschen Geschichte zur Fußball-WM 2006 ist", so Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner.

Mehr hierzu unter www.reichsparteitagsgelaende.de.


Quelle: Unions-Report 06/2006.

* Dr. A. Baier

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