CSU-OV
LichtenhofDie rasante Entwicklung der Stadt Nürnberg und die damit verbundene starke Zunahme des Güterzug-Bahnverkehrs bereiteten im "Centralbahnhof" trotz dessen ständiger Erweiterungen zunehmende Probleme. So began man in den Jahren vor 1890 mit den Planungen für den Neubau eines "Centralrangierbahnhofes", wobei das Bauareal -- entlang der damaligen südlichen Bebauungsgrenze der Stadt Nürnberg -- an die Gemeinden Gibitzenhof und Lichtenhof grenzen sollte. Die Stadt Nürnberg wünschte in kluger Voraussicht jedoch eine Verlegung der Bahnanlagen weiter südlich in den Reichswald, was nach zähen Verhandlungen und unter dem Aspekt des -- für das Königreich Bayern -- wesentlich billigeren Grunderwerbs der Reichswaldfläche auch die Zustimmung des Landtages fand.
Das Planungskonzept für den "Centralrangierbahnhof" hatte den -- bereits seit 1846 in Betrieb befindlichen -- Abroll-Bahnhof Dresden-Neustadt zum Vorbild. Das Funktionsprinzip eines Gefällebahnhofes läßt sich wie folgt beschreiben: Die im (höher gelegenen) Einfahrtbereich des Rangierbahnhof ankommenden Güterzüge werden dort in einzelne Waggons aufgelöst. Diese rollen dann über die Gefällestrecke, gesteuert jeweils über eine Vielzahl von Weichen, in die Richtungsgleise; dort werden sie nach dem Abbremsen zu neuen Zuggarnituren zusammengestellt und verlassen dann über den Ausfahrtbereich wieder den Rangierbahnhof. Aufgrund dieses Konzepts konnten die Züge ohne die zur damaligen Zeit teure Maschinenkraft neu zusammengestellt werden; die Vorgehensweise barg jedoch einen hohen Personalbedarf, ein sehr hohes Unfallrisiko, einen hohen Lärmpegel und einen geringen Rangierdurchsatz in sich.
In Nürnberg sollten die natürlichen Geländeverhältnisse möglichst gut genutzt werden: So fand sich nach umfangreichen Vermessungen in den -- für den künftigen Rangierbahnhof vorgesehenen -- Reichswaldflächen ein ca. 2800 Meter langer Geländestreifen mit den erforderlichen Gefälleverhältnissen. Die dort dem unterlagernden Burgsandstein aufliegenden eiszeitlichen Flug- und Flußsande versprachen relativ geringe Erdbewegungen beim Bau, so daß 1897 die planerischen Vorarbeiten für den Neubau des "Centralrangierbahnhofes" abgeschlossen waren.
In den Jahren 1898 bis 1903 wurde dann -- weit vor dem seinerzeitigen Bebauungsrand der Stadt Nürnberg -- im Lorenzer Reichswald der "Centralrangierbahnhof" gebaut; er war zur damaligen Zeit mit einem Höhenunterschied von rund 23 Metern der größte Gefällebahnhof Deutschlands. Mit einer Länge von 5200 m, einer Maximalbreite von 2500 m, einer Fläche von rund 3,4 km², 16 Stellwerken und einer Gesamtgleislänge von 217 km stellte er die größte Drehscheibe für den Bahn-Güterverkehr in Bayern dar.
Aufgrund der niedrigen Energiepreise und der mittlerweile hohen Lohnkosten entschloß sich die Deutsche Bundesbahn Anfang der Siebziger Jahre zu einem Neukonzept. Ursprünglich war der Neubau eines Flach-Rangierbahnhofes im unberührten Reichswald zwischen Sperberslohe und Furth geplant. Der hohe Flächenbedarf und das gestiegene Umweltbewußtsein der Bevölkerung verhinderten jedoch dieses Vorhaben.
So begannen im April 1978 die Planungen für eine Modernisierung und einen schrittweisen Umbau des bestehenden Rangierbahnhofes. Im Mai 1983 erfolgte der Baubeginn, bei welchen ohne wesentliche Veränderung der Gefälleverhältnisse, jedoch durch den Einbau hochmoderner Einrichtungen und durch den Bau eines rechnergestützen Ablauf-Stellwerkes schließlich einer der modernsten und leistungsfähigsten Rangierbahnhöfe Deutschlands entstand.
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Südens"
* Dr. A. Baier; last update: Mittwoch, 25. Februar 2009 00:37