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LichtenhofAls am Ende des 19. Jahrhunderts im Nürnberger Süden der Mangel an Bauland immer spürbarer geworden war, schob sich die Bebauung flächenhaft in Richtung auf die kleinen Dörfer Lichtenhof und Hummelstein vor.
Bei dieser Stadterweiterung wurde bei der Planung vom bisherigen Rechtecksschema der Baulinien und der kompakten Mietshausbebauung abgewichen und das "romantische Bauliniensystem" angewandt, welches eine Auflockerung des Stadtkörpers erbringen sollte.
Die städtische Bebauung schritt im Süden von Nürnberg wesentlich rascher und stärker voran als beispielsweise im Norden, wo das Agrargebiet des Knoblauchslandes eine natürliche Bebauungsgrenze darstellte. Zwischen dem in den Jahren 1845/46 errichteten "Staatsbahnhof" und dem Reichswald siedelte sich ein Großteil der Nürnberger Metallwaren- und Elektroindustrie an. Mit dem Bau der ausgedehnten, rasch expandierenden Großbetriebe der Metallverarbeitung und der Elektrotechnik sowie verschiedenen Wohnzonen hatte sich das bislang idyllische Bild des Nürnberger Südens innerhalb weniger Jahrzehnte völlig verändert.
Die in den Betrieben tätigen Arbeitskräfte und deren Familien entstammten meistens den ländlichen Gebieten Mittel- und Oberfrankens sowie der Oberpfalz und waren daher -- im Gegensatz zum evangelischen Alt-Nürnberg -- katholischen Glaubens. Die katholische Kirche errichtete deshalb 1902 am östlichen Ende der Humboldtstraße die Herz-Jesu-Kirche, welche durch den Architekten Xaver Ruepp nach dem Vorbild der alten Franziskanerbasiliken geplant wurde. Die evangelische Kirche wiederum erbaute an der Ecke Annastraße/Allersberger Straße -- in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lichtenhofer Schloß -- den mächtigen, roten Backsteinbau der Gustav-Adolf-Kirche mit ihren beiden Türmen und den grünspanigen Turmhauben.
Zur Ausbildung der zahlreichen Kinder errichtete man in den Jahren 1907 bis 1908 die große Lutherschule (die heutige "Adam-Kraft-Realschule") am Maffeiplatz und 1914 das Sperber-Schulhaus in der Nachbarschaft des Hummelsteiner Schlosses. Die jüngsten Kinder im Stadtteil wurden tagsüber bereits in -- meist kirchlich geführten -- Kindergärten untergebracht.
In den Jahren 1909 bis 1912 erreichte die Bautätigkeit im Nürnberger Süden ihren Höhepunkt; während des ersten Weltkrieges kam sie jedoch völlig zum Erliegen. Nach dem Ersten Weltkrieg bemühte sich die Nürnberger Administration verstärkt um einen modernen Städtebau. In der Zeit zwischen 1920 und 1942 hatte sich das Stadtgebiet von Nürnberg in Folge von Eingemeindungen fast verdoppelt. In den Jahren 1928 bis 1930 erreichte die Bautätigkeit ein hohes Ausmaß; nach der Überwindung der Weltwirtschaftskrise erlangte sie im Jahre 1936 mit 1182 neu gebauten Häusern ihren bisherigen Höhepunkt.
Die vielen Wohnhäuser und mit Grünanlagen aufgelockerten Reihenhaussiedlungen wurden (v.a. in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg) von gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften errichtet. So gilt als besonderes Charakteristikum in der Nürnberger Südstadt der von 1900 bis 1930 getätigte Bau der sog. "Schuckertshäuser", welche v.a. in Lichtenhof als markantes, nahezu geschlossenes und durchgrüntes Wohngebiet entstanden. Dieser Bauboom fand sein Ende in der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, in welcher nahezu die gesamte Stadt Nürnberg in Schutt und Trümmer sank. Auch in den ehemaligen alten Dörfern und nunmehrigen Stadtteilen wie Tafelhof, Steinbühl, Galgenhof, Hummelstein und Lichtenhof wurden ein Großteil der historischen wie der neuzeitlichen Bauten vernichtet.
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* Dr. A. Baier; last update: Mittwoch, 25. Februar 2009 00:29